Blutegel-Therapie

In der Naturheilkunde finden sich zahlreiche klassische, natürliche Ausleitungsverfahren. Jede besitzt ihre ganz speziellen Einsatzgebiete und Stärken. Hier erfahren Sie mehr über die in meiner Praxis angewendete Methode und Einsatzgebiete der Blutegeltherapie.   

Geschichte:

Die Blutegeltherapie gehört zu den ältesten Heilmethoden in der überlieferten Medizingeschichte. Erste Überlieferungen stammen aus Mesopotamien (3.300 v. Chr.).Erste eindeutige Schilderungen der Blutegeltherapie stammen aus der indischen Medizin. Die mythische Gestalt Dhavantari, der Arzt, der der Welt die traditionelle indische Medizin offenbarte, trug in der einen Hand Nektar, in der anderen hält er einen Blutegel. Auch in der traditionellen chinesischen Medizin finden sich Hinweise auf die Verwendung von Blutegeln. 

In Europa war die Blutegeltherapie seit der Antike (Nicandros von Kolophon 200–130 v. Chr; Galen 129–199 n Chr.) bis ins 19. Jahrhundert hinein ein unverzichtbarer Bestandteil der ärztlichen Therapie, aber auch immer Bestandteil der Volksmedizin.  

Heutige Verwendung und Studien:

In der Schulmedizin wird die Blutegeltherapie z.B. auf dem Gebiet der plastischen Chirurgie angewendet. Bei Transplantationen von Ohren, Fingern, Zehen oder bei Hautverpflanzungen werden Blutegel eingesetzt, um mit Hilfe der Wirkstoffe im Egelspeichel die Wundheilung zu verbessern. Durch die gerinnungshemmende, gefäßerweiternde und entkrampfende Wirkung des Hirudins kann der venöse Abfluss angestauten Blutes angeregt beziehungsweise überhaupt erst ermöglicht werden, so dass die Reimplantate nicht abgestoßen werden oder absterben. 

Eine Studie der Karl und Veronica Carstens Stiftung aus dem Jahr 2004 zeigt die Wirksamkeit der Blutegelbehandlung bei Kniegelenksarthrose. 80 Prozent der behandelten Patienten berichteten eine deutliche Schmerzlinderung nach einmaliger Behandlung, wobei diese Wirkung teilweise mehrere Monate anhielt. Die Egeltherapie war somit erfolgreicher als eine Therapie mit einer schmerzlindernden Salbe. In einer weiteren kleinen Studie konnte die Überlegenheit der Blutegeltherapie bei Arthrose des Daumensattelgelenkes (Rhizarthrose) im Vergleich zur konventionellen Arzneimitteltherapie gezeigt werden.  

DIE THERAPIE/EINSATZGEBIETE:

Bei der Blutegel-Therapie setzt der Therapeut speziell für die medizinische Anwendung gezüchtete Egel (Hirudo officinalis)  auf die Haut über den erkrankten Körperbereichen. Beim Saugen sondern die Tiere zahlreiche heilsame entzündungs-, schmerz- und gerinnungshemmende Enzyme in die Wunde ab, v. a. Hirudin, Calin, Eglin und Hyaluronidase. Diese Wirkstoffe verteilen sich über die Lymphe im Gebiet um den Biss und entfalten dort ihre heilsame und wohltuende Wirkung. 

Eine Fülle von Krankheits- und Beschwerdebilder können mit Blutegeln erfolgreich behandelt und positiv beeinflusst werden.

 

  • Rheumatismus
  • degenerative oder entzündliche Gelenkerkrankungen
  • Rückenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Ischialgien
  • Nervenschmerzen
  • Migräne
  • Muskelfaserrisse
  • schmerzhafte Muskelverspannungen und Myogelosen
  • Zerrungen
  • Verstauchungen
  • Schwindel
  • Venenentzündungen
  • Bandscheibenvorfall
  • Gürtelrose
  • Krampfadern
  • Ohrgeräusche
  • Nasennebenhöhlenentzündungen
  • Mandelabszesse
  • Brustdrüsenentzündung

 

Hat man die Tiere an den entsprechenden Lokalisationen angesetzt, so lässt man diese in Ruhe, bis sie sich vollgesaugt haben und von alleine wieder lösen. Das dauert durchschnittlich, je nach Größe des Blutegels, seinem Hungerzustand und der Durchblutung des Hautarreals rund 30 bis 90 Minuten. Zu einer Blutegelbehandlung sollten Sie also ausreichend Zeit mitbringen. 

Der Biss ist fast schmerzlos, nur ein kleiner Juckreiz macht sich manchmal bemerkbar.

Die Bissstelle blutet noch bis zu 12 Stunden weiter nach, was erwünscht und ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist. Selbstverständlich wird der Patient mit einem entsprechenden, saugfähigen Verband versorgt.